Vereinschronik & Zeitzeugenbericht

Die Gründung und die ersten Jahre

Ein Rückblick auf Mut, Kameradschaft und Pioniergeist – niedergeschrieben von Ehrenvorstand Albin Markgraf.

Meilensteine unserer Geschichte

20. Jahrhundert
1955

Vereinsgründung

13 Bürger gründen den Verein und pachten den neu entstandenen Baggersee Fohlenweide.

Erweiterung
1961

Pachtung Märzensee

Gegen finanzstarke Konkurrenz sichert sich der Verein den Märzensee für die Rainer Fischer.

Meilenstein
1968

Bau der Fischerhütte

In enormer Eigenleistung entsteht das eigene Vereinsheim – ohne Strom & Leitungswasser.

„Meine sehr verehrten Damen und Herren, der Angelsportverein ‚Unterer Lech‘ e.V. mit dem Sitz in Rain am Lech wurde 1955 gegründet. Damit hatte die Stadt Rain einen neuen Verein, der bald – recht bald – in das Vereinsleben dieser unserer Stadt integriert wurde.“

1 Der Baggersee Fohlenweide & die Gründung (1955)

Es waren 13 honorige Bürger der Stadt Rain und aus dem Umland – es waren Angler, die nun in einem Verein ihr Hobby ausleben wollten. Aber zum Angeln braucht man bekanntermaßen Fische und damit man Fische haben kann, braucht man Gewässer. Die Fischgewässer und Fischrechte waren jedoch allesamt in privater oder genossenschaftlicher Hand – für einen neuen Verein war da zunächst kein Platz.

Doch durch den Kiesabbau für das Kraftwerk Lech entstand der Baggersee Fohlenweide. Die Stadtverwaltung war mit einer Verpachtung einverstanden – allerdings ausschließlich an einen eingetragenen Verein. So kam es zur offiziellen Vereinsgründung und zum Abschluss des ersten Pachtvertrages.

Anekdote aus der Gründungszeit:

Als die Stadt die Fohlenweide zeitgleich zum Badesee umgestalten wollte und sich das Wasser trübte, machten wilde Gerüchte die Runde: Die Angler hätten angeblich Ochsenblut in den See geschüttet, damit die Fische schneller wachsen! Ein absoluter Unsinn, der aber zeigt, mit welchen Startschwierigkeiten der junge Verein konfrontiert war.

2 Erweiterung: Der Märzensee (1961)

Am 30. November 1960 wurde eine neue Vorstandschaft unter der Führung von Albin Markgraf gewählt (zusammen mit Stellvertreter Walter Lux, Schatzmeister Werner Lang, Schriftführer Hans Schwarz sowie den Beisitzern Stefan Braun und Eugen Lintz).

Der Verein brauchte dringend mehr Wasserfläche. Am 1. Januar 1961 konnten die Verhandlungen mit dem Bürgermeister und dem Stadtrat erfolgreich abgeschlossen werden: Der Pachtvertrag für den Märzensee (Merzbaggersee) wurde unterzeichnet.

Dies war keineswegs selbstverständlich: Auch auswärtige, finanzstarke Vereine hatten sich um das Gewässer bemüht. Doch Stadtverwaltung und Bürgermeister hielten Wort und gaben dem heimischen Rainer Verein den Zuschlag. Damit konnte auch die Mitgliederzahl nachhaltig erhöht werden.

3 Das Husarenstück: Der Bau der Fischerhütte (1968)

1968 folgte das wohl größte Projekt der damaligen Vorstandschaft: Der Bau des eigenen Vereinsheims. Aus einer Laune heraus bei einer Stammtischrunde („Wenn man uns im Wirtshaus nicht will, bauen wir uns halt eine eigene Hütte!“) entstand eine gewaltige Gemeinschaftsleistung.

Obwohl kein Geld da war und es am Bauplatz weder Strom noch Fließwasser gab, packten alle mit an. Der Zahntechniker wurde zum Betonmischer, der Bankdirektor zum Maurer und der Polizeibeamte zum Wasserinstallateur.

Ohne Stromnetz

Mit Gasleitungen, Gaskühlschränken und Gas-Leuchtstofflampen wurde Licht und Kühlung in das Vereinsheim gebracht.

Eigener Brunnen

Im Keller wurde per Hand ein Brunnen geschlagen und mit einer Benzinpumpe Fließwasser für Küche und Sanitäranlagen erzeugt.

Gemeinschaft & Würdigung

Ein besonderer Dank gebührt den Frauen der Mitglieder, die in den Anfangszeiten die Bewirtung der Fischerhütte ehrenamtlich übernahmen und auf einfachen Gasherden bei Festen hunderte Forellen zubereiteten.

Auch der Ausbau der Abelweiher zur Fischzucht wurde vorangetrieben – unterstützt von US-Soldaten, die mit ihren schweren Räumfahrzeugen beim Ausbaggern halfen.

„Nur der Idealismus war und ist es noch immer, der eine Gemeinschaft vereint und kameradschaftlich verbindet. Kameradschaftliche Bindung erfordert aber die Tugenden der Toleranz, des gegenseitigen Verstehens, die Kraft zum Kompromiss und die Achtung der Meinung des Anderen.“ – Albin Markgraf, Ehrenvorstand